QUALITÄT & KONFORMITÄT

LFGB und EU 10/2011: Gesetzliche Anforderungen an Saucenflaschen aus Kunststoff im deutschen Markt

So ordnen wir Migration, Konformitätserklärung und Lebensmittelkontakt-Nachweise nach LFGB und EU 10/2011 Ihrer Verpackung zu.

Fachredaktion Gracepack/Veröffentlicht 26. August 2026/Aktualisiert 26. August 2026/ 14 Min. Lesezeit
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Geprüft am 26. August 2026. Abgeglichen mit unseren aktuellen Abläufen für Anfrage, Bemusterung, Fertigung, Qualitätskontrolle und Exportvorbereitung. Verbindliche Konformitäts-, Abfüll- und Haltbarkeitsfreigaben gelten immer für die gewählte Verpackung, das konkrete Produkt und den Zielmarkt. Mehr über Gracepack.

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Illustrative Darstellung von Kunststoff-Saucenflaschen, Verschlüssen und Unterlagen zur Lebensmittelkontakt-Bewertung

Für Kunststoff-Saucenflaschen in Deutschland ordnen wir die europäischen Lebensmittelkontakt-Vorschriften und die ergänzenden Anforderungen des LFGB der konkreten Verpackung zu. Ein pauschales „LFGB-Zertifikat“ reicht dafür nicht aus. Entscheidend ist, dass Flasche und Verschluss zu Ihrer Sauce sowie den Abfüll-, Lager- und Verwendungsbedingungen passen und durch Konformitätserklärung, Migrationsnachweise und Rückverfolgbarkeit belegt sind.

  • Passend zu Ihrer Sauce: Fett- und Säuregehalt, Abfülltemperatur und Lagerdauer bestimmen, welche Migrationsnachweise Sie benötigen.
  • Passend zur vollständigen Verpackung: Die Bewertung muss auch Kappe, Dichtung und gegebenenfalls Ventil einbeziehen, nicht nur den Flaschenkörper.
  • Eindeutig dokumentiert: Aus der Konformitätserklärung muss hervorgehen, für welche Ware und welche Verwendung sie gilt. Ein Prüfbericht allein ersetzt sie nicht.
  • Auch in der Serie verlässlich: Bei einem anderen Rohstoff, einer neuen Farbe oder einem geänderten Verschluss ist zu klären, ob die bisherigen Nachweise weiterhin ausreichen.

1. LFGB und EU 10/2011: Welche Vorschrift regelt was?

Das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch, kurz LFGB, ist ein deutsches Gesetz und kein Prüfzeichen. Saucenflaschen gehören zu den Lebensmittelbedarfsgegenständen. Für ihre Sicherheit greifen mehrere Vorschriften ineinander: Die europäische Rahmenverordnung beschreibt die grundlegenden Schutzziele, die Kunststoffverordnung konkretisiert materialbezogene Anforderungen, und die Regeln zur guten Herstellungspraxis betreffen die Fertigung.

RegelwerkBedeutung für Kunststoff-SaucenflaschenWorauf Sie bei der Beschaffung achten sollten
Verordnung (EG) Nr. 1935/2004Grundanforderungen an Lebensmittelkontaktmaterialien, Kennzeichnung und RückverfolgbarkeitKeine gesundheitsgefährdenden Stoffübergänge, keine unvertretbare Veränderung der Lebensmittelzusammensetzung und keine Beeinträchtigung der organoleptischen Eigenschaften
Verordnung (EU) Nr. 10/2011Spezifische Anforderungen an Kunststoffe, unter anderem Stoffbeschränkungen, Migration und KonformitätserklärungNachweise müssen Material, Bauteil und vorgesehenen Lebensmittelkontakt abdecken
Verordnung (EG) Nr. 2023/2006Gute Herstellungspraxis mit Qualitätssicherung, Qualitätskontrolle und DokumentationEin reproduzierbarer Fertigungsprozess, nicht nur ein einmalig bestandenes Muster
LFGB, insbesondere § 31Ergänzt den europäischen Rechtsrahmen in Deutschland; verbietet unter anderem das Inverkehrbringen nicht entsprechend geeigneter LebensmittelkontaktmaterialienEine allgemeine Werbeaussage „LFGB-geprüft“ ersetzt nicht die Prüfung der konkreten gesetzlichen Anforderungen
Weitere einschlägige VorschriftenBeispielsweise Bisphenole nach Verordnung (EU) 2024/3190 und recycelte Kunststoffe nach Verordnung (EU) 2022/1616Materialabhängige Zusatzanforderungen und Übergangsregelungen gesondert berücksichtigen

Für Ihr Projekt gilt die aktuelle Fassung der europäischen Lebensmittelkontakt-Vorschriften, einschließlich der Änderungen durch die Verordnungen (EU) 2025/351 und 2026/245. Ein älterer Prüfbericht kann weiterhin verwendbar sein, wenn er die geltenden Anforderungen und die gelieferte Ausführung abdeckt. Diese Zuordnung bestätigen wir projektbezogen.

Warum „lebensmittelecht“ allein nicht ausreicht

Eine Flasche kann für eine wässrige, kalt abgefüllte Sauce geeignet sein, ohne für eine fettreiche Rezeptur oder eine Heißabfüllung ausreichend bewertet zu sein. Die Eignung hängt nicht nur von PET, HDPE oder PP ab. Auch Additive, Einfärbung, Herstellungsprozess und Kontaktbedingungen wirken sich auf die Bewertung aus.

Die Unionsliste der Kunststoffverordnung enthält insbesondere zugelassene Ausgangsstoffe und Additive mit den jeweiligen Beschränkungen. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede im fertigen Kunststoff vorkommende Substanz auf dieser Liste stehen muss. Für bestimmte Stoffgruppen gelten Ausnahmen; nicht absichtlich zugesetzte Stoffe, häufig als NIAS bezeichnet, sind risikobasiert zu bewerten. Dazu können Verunreinigungen sowie Reaktions- oder Abbauprodukte gehören.

Ein Rohstoffdatenblatt ist deshalb ein wichtiger Ausgangspunkt, aber keine vollständige Freigabe der fertigen Verpackung. Ebenso wenig stellen eine FDA-bezogene Prüfung oder ein ISO-22000-Zertifikat eine pauschale EU-Zulassung aller Flaschen dar. Eine CE-Kennzeichnung ist für gewöhnliche Kunststoff-Saucenflaschen kein Nachweis ihrer Lebensmittelkontakt-Konformität.

2. Migration prüfen: Die Sauce und der Kontakt entscheiden

Migration bezeichnet den Übergang von Stoffen aus der Verpackung in das Lebensmittel. Die Gesamtmigration begrenzt die insgesamt abgegebene Menge nichtflüchtiger Bestandteile; die spezifische Migration betrifft einzelne Stoffe oder Stoffgruppen. Ein unauffälliger Gesamtmigrationswert beweist daher nicht automatisch, dass auch alle relevanten spezifischen Grenzwerte eingehalten werden.

Für gewöhnliche Kunststoff-Saucenflaschen gilt grundsätzlich ein Gesamtmigrationsgrenzwert von 10 mg je dm² Lebensmittelkontaktfläche. Spezifische Migrationsgrenzwerte werden dagegen in der Regel in mg je kg Lebensmittel angegeben. Die Einheiten sind nicht beliebig austauschbar: Oberfläche, Füllmenge und die vorgeschriebenen Berechnungsregeln müssen zur bewerteten Anwendung passen. Maßgeblich sind die Vorgaben und Anhänge der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 in ihrer konsolidierten Fassung.

Saure Chilisauce ist nicht dasselbe wie ein ölreiches Dressing

Lebensmittelsimulanzien bilden bestimmte Eigenschaften von Lebensmitteln für die Prüfung ab. Ihre Auswahl erfolgt nach den rechtlichen Zuordnungsregeln, nicht nach dem Aussehen oder der Produktbezeichnung einer Sauce. Zu den Simulanzien gehören beispielsweise 10-prozentiges Ethanol für bestimmte wässrige Kontakte, 3-prozentige Essigsäure für saure Lebensmittel sowie fettsimulierende Medien für die entsprechenden Anwendungen.

Ein Dressing kann zugleich sauer und fetthaltig sein, eine Chilisauce viel Wasser enthalten oder überwiegend auf Öl basieren. Deshalb geben wir dem Prüflabor Rezepturmerkmale und den vorgesehenen Einsatz an; die Bezeichnung „Sauce“ allein ist dafür zu ungenau.

Geplante AnwendungWichtige Angaben für die BewertungHäufiger Fehlschluss
Saure ChilisaucepH-Wert, Zusammensetzung, Abfülltemperatur, Lagerdauer und Lagerung nach dem ÖffnenEine Prüfung mit Wasser decke jede saure Rezeptur ab
Ölreiches Dressing oder MayonnaiseFettanteil, Emulsion, Kontaktbedingungen und sämtliche benetzten BauteileEin Bericht für wässrigen Kontakt reiche auch für Fettkontakt aus
Soja- oder andere WürzsauceRezeptur, gegebenenfalls Alkoholanteil, Füllmenge und geplante HaltbarkeitTransparente PET-Flaschen seien unabhängig von der Rezeptur freigegeben
Heiß abgefüllte SauceTemperatur-Zeit-Verlauf einschließlich Abkühlung und anschließender LagerungDie mechanische Wärmebeständigkeit belege bereits die Migrationskonformität
Kopfstehend gelagertes GebindeDauernder Kontakt mit Kappe, Dichtung und VentilNur der Flaschenkörper müsse für den langfristigen Kontakt bewertet werden

Bei Quetschflaschen für Chilisauce stimmen wir nicht nur die Dosieröffnung ab, sondern beziehen auch Säure- und Fettanteile Ihrer Rezeptur ein. Bei PET-Flaschen für Sojasauce berücksichtigen wir zusätzlich Lagerzeit und Verschlusskontakt. Ändert sich der spätere Einsatz, kann derselbe Flaschentyp andere Prüfbedingungen benötigen.

Zeit und Temperatur dürfen im Bericht nicht fehlen

Soll Ihre Sauce mehrere Monate in der Flasche bleiben, müssen die Nachweise diesen Kontakt abdecken. Ein kurzer Labortest reicht dafür nur aus, wenn seine Übertragbarkeit auf die geplante Lagerung fachlich begründet ist. Umgekehrt ist die Temperatur einer beschleunigten Migrationsprüfung keine zulässige Abfülltemperatur: Ob die Flasche beim Heißabfüllen formstabil und dicht bleibt, muss zusätzlich geprüft werden.

Steht in Ihrem Verschlussbericht 10-prozentiges Ethanol bei 40 °C für zwei Stunden, wurde das Muster unter genau diesen Bedingungen untersucht. Für ein ölreiches Dressing mit mehrmonatiger Lagerung brauchen Sie deshalb eine begründete Bewertung oder ergänzende Nachweise. Dasselbe gilt für eine geplante Heißabfüllung. Auch drei aufeinanderfolgende Prüfkontakte belegen nicht automatisch jede gewünschte Lagerdauer oder Wiederverwendung.

Für den Prüfplan ist außerdem wichtig, ob die Flasche einmal verwendet oder wiederholt befüllt werden soll. Eine Einwegverpackung wird nicht allein dadurch zu einer geeigneten Mehrwegflasche, dass sie sich reinigen und erneut verschließen lässt.

Kappe, Dichtung und Ventil gehören zur Bewertung

Schematische Produktdarstellung einer Saucenflasche mit getrenntem Klappverschluss, Silikonventil und Dichtungsring

Bei kopfstehenden Dressingflaschen mit Ventilkappen liegt die Sauce dauerhaft am Verschluss an. Das macht die Materialauswahl für Ventil und Dichtung besonders relevant. Eine Dokumentation zum PET-Flaschenkörper reicht für diese Kombination nicht aus.

Silikon wird nicht einfach wie ein Kunststoff nach EU 10/2011 behandelt. Silikonbauteile unterliegen weiterhin dem allgemeinen Lebensmittelkontakt-Rechtsrahmen und müssen anhand der für sie einschlägigen Anforderungen bewertet werden. Empfehlungen des BfR können dabei eine fachliche Grundlage liefern, sind aber keine behördliche Produktzulassung. Ein Bericht für einen Silikonring lässt sich zudem nicht ungeprüft auf ein anders zusammengesetztes oder anders gefertigtes Dosierventil übertragen.

Auch Druckfarben, Klebstoffe oder Beschichtungen können relevant werden, wenn Stoffübergänge zu erwarten sind. „Außen aufgebracht“ bedeutet nicht in jedem Fall, dass eine Komponente für die Sicherheitsbewertung ohne Bedeutung ist.

3. Welche Unterlagen brauchen Sie vom Lieferanten?

Konformitätserklärung und Prüfbericht sind zwei verschiedene Dokumente

Für Kunststoffmaterialien und -gegenstände ist auf den Vermarktungsstufen vor dem Einzelhandel eine schriftliche Konformitätserklärung nach Artikel 15 und Anhang IV der Kunststoffverordnung erforderlich. Sie stellt den Bezug zwischen der identifizierten Ware, den geltenden Anforderungen und den zulässigen Verwendungsbedingungen her. Ein Prüflaborbericht dokumentiert dagegen bestimmte Untersuchungen an bestimmten Proben. Er ersetzt diese Erklärung nicht.

Eine für Ihren Einkauf brauchbare Konformitätserklärung beantwortet insbesondere diese Fragen:

  • Wer steht hinter der Erklärung? Aussteller und Hersteller beziehungsweise Importeur sind mit Name und Anschrift eindeutig benannt.
  • Welche Ware ist gemeint? Flasche oder Bauteil sind identifizierbar; das Ausstellungsdatum ist angegeben.
  • Welche Anforderungen werden erfüllt? Die Erklärung bestätigt die einschlägige Konformität, statt die Ware lediglich als „lebensmittelecht“ zu bezeichnen.
  • Welche Stoffbeschränkungen sind relevant? Sie erhalten die Informationen, die Sie für Ihre nachgelagerte Konformitätsbewertung brauchen, gegebenenfalls auch zu Stoffen, die zusätzlich lebensmittelrechtlichen Beschränkungen unterliegen.
  • Wie darf die Verpackung verwendet werden? Lebensmittelarten, Kontaktdauer und Temperatur sowie das für den Nachweis verwendete Verhältnis von Kontaktfläche zu Volumen sind beschrieben.
  • Gibt es besondere Voraussetzungen? Bei einem entsprechenden Aufbau gehören dazu etwa Angaben zu funktionellen Barrieren.

Bei wesentlichen Änderungen oder neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die die Konformität berühren, ist die Erklärung zu aktualisieren. Bestellen Sie eine andere Material- oder Farbvariante, sollten Sie daher vorab klären, ob diese noch von der bisherigen Erklärung erfasst wird.

Was ein vollständiger Nachweis zusätzlich umfasst

Die unterstützenden Unterlagen können Prüfergebnisse, Berechnungen, Modellierungen, Materialinformationen und begründete Bewertungen enthalten. Sie müssen die Konformität nachvollziehbar belegen und den zuständigen Behörden auf Verlangen zugänglich sein. Nicht jede vertrauliche Rohstoffrezeptur muss dafür vollständig an jeden Käufer weitergegeben werden; die für die sichere Verwendung und weitere Bewertung notwendigen Informationen dürfen jedoch nicht fehlen.

Bei Prüfberichten gleichen wir die Probenbeschreibung mit Ihrer Bestellung ab: Flaschenmaterial, Farbe, Verschluss, gegebenenfalls Dichtung sowie identifizierbare Artikel- oder Materialangaben. Ein ähnliches Foto oder derselbe Handelsname genügt nicht, wenn sich die Zusammensetzung unterscheidet. Eine neue Farbe berücksichtigen wir besonders dann, wenn ein anderes Farbkonzentrat oder andere Additive verwendet werden.

Wie Sie einzelne Ergebniszeilen, Berichtsgrenzen und Bauteilzuordnungen beurteilen, zeigt der Leitfaden Migrationsprüfberichte für Saucenflaschen richtig bewerten. Er ergänzt diese Grundlagen um konkrete Prüffälle und eine ausfüllbare Vorlage für offene Nachweisfragen.

„BPA-frei“ und FDA-Berichte richtig einordnen

Ein BPA-Prüfbericht beantwortet nur die darin untersuchte Fragestellung. „Nicht nachgewiesen“ bedeutet unterhalb der angegebenen Nachweis- beziehungsweise Bestimmungsgrenze, nicht zwingend absolute Stofffreiheit. Ein US-amerikanischer Prüfmaßstab, etwa nach FDA-Vorgaben oder im Zusammenhang mit California Proposition 65, bestätigt für sich genommen keine vollständige Konformität mit dem EU-Recht.

Für Bisphenole ist die Verordnung (EU) 2024/3190 einschließlich ihrer Änderungen und Berichtigungen gesondert zu beachten. Sie enthält Verbote, eng begrenzte Ausnahmen und Übergangsregelungen. Die allgemeine Übergangsfrist für das erstmalige Inverkehrbringen bestimmter bisher konformer Einweg-Lebensmittelkontaktgegenstände endete am 20. Juli 2026. Sonderfälle und die weiteren Fristen für Befüllung beziehungsweise Abverkauf müssen getrennt geprüft werden; daraus folgt kein pauschaler Rückruf aller bereits rechtmäßig in Verkehr gebrachten Verpackungen.

Auch die Übergangsregelung zur Verordnung (EU) 2025/351 ist für laufende Beschaffungen wichtig: Unter den dort genannten Voraussetzungen dürfen nach dem bisherigen Stand konforme Kunststoffmaterialien und -gegenstände, die vor dem 16. September 2026 erstmals in Verkehr gebracht wurden, bis zur Erschöpfung der Bestände weiter vermarktet werden. Das setzt andere einschlägige Vorschriften nicht außer Kraft. Lassen Sie bei betroffenen Lieferungen deshalb ausdrücklich klären, auf welchem Rechtsstand und welcher Übergangsregelung die Bewertung beruht.

4. Import, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung

Wenn Sie Saucenflaschen aus China oder einem anderen Drittland importieren, stellen wir die verfügbaren Material- und Fertigungsinformationen vor der Serienbestellung zusammen. Als Importeur erfüllen Sie zusätzlich die Pflichten für Ihre eigene Tätigkeit; ein Laborauftrag oder eine Lieferantenbestätigung ersetzt diese Verantwortung nicht. Für Lieferungen in die Schweiz sind außerdem die dortigen Anforderungen zu berücksichtigen.

Die Rückverfolgbarkeit muss auf allen Stufen möglich sein. Praktisch sollten Sie die erhaltene Flaschencharge einem Lieferanten, einer Produktausführung und den zugehörigen Dokumenten zuordnen können. Beim Abfüller wird diese Zuordnung mit der abgefüllten Lebensmittelcharge verknüpft. So lässt sich bei einer Beanstandung feststellen, welche Lieferungen und Fertigungslose betroffen sind.

Für Lebensmittelkontaktmaterialien, die noch nicht mit Lebensmitteln in Berührung sind, gelten die Kennzeichnungsvorgaben aus Artikel 15 der Rahmenverordnung. Je nach Erzeugnis und Vermarktungsstufe gehören dazu die Zweckbestimmung, erforderliche Hinweise zur sicheren Verwendung, Angaben zum verantwortlichen Unternehmen in der EU und eine geeignete Identifikation für die Rückverfolgbarkeit. Die vorgeschriebenen Angaben können unter den jeweiligen Voraussetzungen auch auf der Verpackung oder in Begleitpapieren stehen.

Das Glas-Gabel-Symbol ist dabei nicht auf jeder Saucenflasche zwingend erforderlich. Die Angabe zur Lebensmittelkontakt-Eignung kann entfallen, wenn der Gegenstand aufgrund seiner Beschaffenheit eindeutig dafür bestimmt ist. Diese Ausnahme hebt jedoch weder die Sicherheitsanforderungen noch andere Kennzeichnungspflichten auf. Legen Sie daher für Flasche, Versandkarton und Lieferunterlagen fest, welche Informationen an welcher Stelle stehen.

5. Wie Fertigung und Materialänderungen die Freigabe beeinflussen

Flasche und Verschluss zusammen abstimmen

Illustrative Szene: Prüfung von Flaschenhals und passenden Verschlüssen an einem Kontrollarbeitsplatz

Bei Gracepack stimmen wir Kunststoffflasche und Verschluss gemeinsam nach Muster oder Zeichnung ab. Halsmaß, Dichtsitz und Dosieröffnung betrachten wir als zusammengehörige Schnittstelle. Wir unterstützen Sie sowohl bei der Auswahl vorhandener Ausführungen als auch bei individuellen Entwicklungen, sodass Sie die Kombination bemustern können, bevor Sie sich für ein neues Werkzeug entscheiden.

Für die spätere Serie sind bei Gracepack unter anderem Kontrollen von Aussehen, Abmessungen, Gewicht und Dichtheit vorgesehen; bei Flaschen gehört auch das Fassungsvermögen dazu. Produktionsdatum und Charge ermöglichen die Zuordnung der Ware. Ändert sich das Material oder das Fertigungsverfahren in relevanter Weise, ist eine erneute technische Bewertung vorgesehen. Für Ihre Freigabe kommen die zum Lebensmittelkontakt passenden Migrations- und Konformitätsnachweise hinzu.

Für Ihre ausgewählte Kombination ordnen wir die zugehörigen Unterlagen zu. Bei Gracepack stehen unter anderem PET-bezogene Prüfberichte und Berichte zu PP-/PE-Verschlüssen zur Verfügung. Gemeinsam klären wir, welche davon zu Ihrer Ausführung und Ihrem Einsatz passen und wo ergänzende Nachweise nötig sind. Für eine EU-Lieferung reicht es nicht, einen US-bezogenen PET-Bericht mit einem EU-bezogenen Kappenbericht zu kombinieren: Die Konformität muss für das vollständige Gebinde und seine vorgesehene Verwendung nachvollziehbar sein.

Prüfkosten vor dem Formenbau einplanen

Bei einer vorhandenen Flaschen- und Verschlusskombination kann bereits ein Teil der technischen Grundlagen vorliegen. Eine Sonderform, neue Einfärbung oder andere Dichtung kann zusätzliche Bewertungen und Versuche erfordern. Nicht jede geometrische Änderung verlangt automatisch sämtliche Prüfungen von vorn; eine Übertragung vorhandener Nachweise muss aber fachlich begründet sein.

Klären Sie deshalb früh, welche Ausführung bemustert wird, welche Prüfungen erforderlich sind und wer Kosten und Beauftragung übernimmt. Das ist meist wirtschaftlicher, als nach der Werkzeugfreigabe Material, Farbe oder Verschluss nochmals zu ändern. Eine höhere Bestellmenge senkt möglicherweise Stückkosten, reduziert aber nicht die Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit.

Rezyklat und Recyclingfähigkeit getrennt prüfen

Ein Rezyklatanteil macht eine Flasche nicht automatisch lebensmittelkontaktgeeignet. Bei recycelten Kunststoffen sind zusätzlich die einschlägigen Anforderungen der Verordnung (EU) 2022/1616 zu berücksichtigen. Herkunft, Recyclingverfahren, Einsatzbedingungen und die dazugehörigen Nachweise müssen zur konkreten Ausführung passen. Auch eine Umstellung von Neuware auf rPET ist deshalb eine bewertungsbedürftige Änderung.

Die spätere Recyclingfähigkeit ist eine weitere, davon getrennte Frage. Einfärbung, Etikett, Klebstoff, Mehrschichtaufbau und Ventil können die Sortierung und Verwertung beeinflussen. Stimmen Sie Materialeinsatz und Recyclingziele mit der Lebensmittelkontakt-Eignung ab; weder ein Recyclingcode noch ein Nachhaltigkeitsversprechen ersetzt den Sicherheitsnachweis.

6. Checkliste vor Musterfreigabe und Serienbestellung

Vor der Muster- oder Werkzeugfreigabe bringen wir Rezeptur, Verpackungsausführung und Nachweise zusammen. Offene Punkte lassen sich in dieser Phase meist einfacher klären als nach dem Start der Serienfertigung.

PrüfpunktVor der Freigabe festhaltenWenn die Angabe fehlt
Sauce und VerwendungZusammensetzung, Säure- und Fettanteil, Lagerdauer, Temperatur und Einweg- oder MehrwegnutzungPrüfbedingungen mit Abfüller und Prüfstelle definieren
Vollständiges GebindeIdentifizierbare Flasche, Kappe, Dichtung, Ventil und relevante DekorationKomponentenliste ergänzen; nicht nur den Flaschenkörper bewerten
KonformitätserklärungPassende Ware, aktueller Rechtsstand und eindeutig beschriebene VerwendungAktualisierte oder ergänzte Erklärung anfordern
MigrationsnachweiseRelevante Simulanzien, Zeit, Temperatur, Grenzwerte und nachvollziehbare ÜbertragbarkeitZusätzliche Prüfung oder begründete Bewertung vereinbaren
Chargen und ÄnderungenZuordnung der Lieferung sowie geregelte Mitteilung relevanter Material- und ProzessänderungenRückverfolgbarkeit und Änderungsfreigabe vertraglich festlegen
Praktischer AbfüllversuchDichtheit, Formstabilität, Dosierung sowie Geruch und Geschmack unter realistischen BedingungenMit Originalmustern prüfen; Laborwerte nicht als Funktionsgarantie behandeln

Testen Sie mit Ihrer Originalsauce, ob die Flasche nach dem Abkühlen dicht bleibt und sich gut dosieren lässt. Prüfen Sie daneben, ob die Migrationsnachweise Ihren vorgesehenen Kontakt abdecken. Erst zusammen beantworten diese Prüfungen die beiden entscheidenden Fragen: Funktioniert die Verpackung an Ihrer Linie und im Gebrauch, und ist sie für den Kontakt mit Ihrer Sauce geeignet?

Fazit: Nicht das Schlagwort, sondern die passende Kombination zählt

Für Ihre Bestellung zählt, ob Flasche und Verschluss zu Sauce, Abfüllprozess und Lagerung passen. Wir ordnen die verfügbaren Nachweise der gewählten Ausführung zu; Ihre Qualitätssicherung beziehungsweise eine geeignete Fachstelle prüft sie vor der Serienfreigabe. So werden offene Einsatzgrenzen oder fehlende Unterlagen sichtbar, bevor die Verpackung in Ihre Produktion geht.

Senden Sie uns Saucentyp, relevante Rezeptureigenschaften, Abfülltemperatur, Lagerbedingungen und gewünschtes Volumen. Gemeinsam grenzen wir passende Flaschen und Verschlüsse ein, ordnen vorhandene Unterlagen zu und klären offene Prüfpunkte vor der Bestellung. Für Ihre Abfülltests stellen wir Muster bereit; bei einer individuellen Form besprechen wir zunächst die technische Machbarkeit und die Anforderungen an die Werkzeugentwicklung.

MUSTER UND LEBENSMITTELKONTAKT

Welche Verpackung passt zu Ihrer Sauce?

Teilen Sie uns Saucentyp, Abfülltemperatur, Lagerdauer, Wunschvolumen und Verschlussart mit. Wir besprechen geeignete Muster, die zugehörigen Unterlagen und den Prüfbedarf für Ihre geplante Ausführung.